Home Office

Mehr Remote-Projekte für Freelancer

Die Auswirkungen von Corona

Die Corona-Krise brachte neben den offensichtlichen gesundheitlichen Risiken auch starke Einschränkungen im Alltagsleben. Geschäfte wurden vorübergehend geschlossen und Unternehmen meldeten Kurzarbeit an. Weitere Maßnahmen wie Social Distancing und Maskenpflicht in Supermärkten sind nach wie vor die Regel und werden es vermutlich noch eine Weile sein. Neben den unbestritten richtigen, aber eben auch einschränkenden Maßnahmen, führte die Corona-Krise an anderer Stelle jedoch gerade zu mehr Empowerment: Remote-Arbeit. Diese Entwicklung hat sich schon in einer unserer letzten Analysen angedeutet. Hier konzentrieren wir uns nun voll auf das Thema Remote auf dem Projektmarkt von Oktober 2019 bis heute.

Starker Anstieg seit März

Behörden, mittelständsiche Unternehmen, hippe Start-Ups – die Remote-Kultur ist bei jedem Arbeitgeber unterschiedlich stark verankert. Das zeigt sich auch auf dem Projektmarkt für Freelancer. Während viele den Beruf des Freelancers vermutlich eng verbunden mit der Möglichkeit zum ortsunabhängigen Arbeiten sehen, ist dies in der Praxis noch lange nicht der Standard.  Die untere Grafik zeigt die Entwicklung von Projekten mit Remote-Anteilen in den letzten Monaten. Vor der Corona-Krise hatten meist nur 10-15% der ausschgeschriebenen Projekte einen Remote-Anteil (also Minimum einen Tag Home Office pro Woche). Seit März schießt dieser Wert nach oben und hat nun für Juli bislang seinen Höchststand mit 28% erreicht.

Säulendiagramm zur Entwicklung von Remote-Projekten

Bankensektor und Automobilindustrie mit Nachholbedarf

Auch die Branche des Unternehmens kann eine wichtige Rolle bei der Remote-Freundlichkeit spielen. Unsere Daten zeigen, dass sich vor allem Unternehmen und Konzerne aus den Bereichen Pharma, Banken und Automobilindustrie beim Thema Fernarbeit schwer tun. Hier befindet sich der durchschnittliche Anteil an Projekten mit Remote-Optionen bei unter 5%. Die Versicherungs-, Medien und Telekommunikationsbranchen bewegen sich mit etwas über 10% im Mittelfeld. Am fortschrittlichsten zeigen sich Firmen aus den Sektoren Transport & Logistik sowie der Energiewirtschaft: hier erreicht der Remote-Anteil über 15%.

Ein Plädoyer für die Fernarbeit

Ob die oben beschriebene Entwicklung nachhaltig ist, lässt sich schwer beurteilen. Unter den Projekten finden sich noch viele Unternehmen, die zu kompletter Onsite-Arbeit zurückkehren wollen, sobald die Lage es zulässt. Einfluss wird die Entwicklung aber in jedem Fall haben, denn: Viele Unternehmen, die sich bisher nicht getraut haben, Fernarbeit zu ermöglichen, werden nun zum Experimentieren gezwungen. Womöglich merken sie dabei: Remote ist gar nicht so verkehrt. Denn wenn ich diese Möglichkeit biete, erweitere ich den möglichen Bewerberpool für mein Projekt enorm, weil sich eben nicht nur Freelancer in der näheren Umgebung auf mein Projekt bewerben.

Und was vielleicht noch wichtiger ist: man zeigt, dass man dem Anderen vertraut, dass er seine Arbeit leistet, auch wenn man ihm dabei nicht permanent auf die Finger schaut. Wer sich fürs Freelancen entscheidet, schätzt gerade die Unabhängigkeit und Freiheit, die diese Arbeitsform mit sich bringt. Ohne Selbstdisziplin, Ehrgeiz und Eigeninitiative hat man es schwer, wenn man auf sich allein gestellt ist. Daher sollte man es vor allem Freelancern ermöglichen, so zu arbeiten, wie sie es am besten können, um im Endeffekt Projekte schneller und mit höherer Qualität abschließen zu können.

Zur Datenbasis

Basis für unsere Analyse sind mehr als 3000 monatliche Projekte von über 70 Personalvermittlern im deutschsprachigen Raum. Als “remote” wurden Projekte eingeordet, welche mindestens einen Tag Fernarbeit in der Woche beinhalten.